Von Mui Ne ging es gegen Mittag für 120.000 Dong (~4,50€) pro Person in ca. 5 Stunden nach Ho-Chi-Minh-City (früher Saigon). Als wir im Dunkeln ankamen war es ordentlich am regnen und der super Busfahrer hat unsere Backpacks einfach ins Nasse gestellt – echt klasse. Nach etwas Aufregung ging es dann mit einem Uber in unser Hotel, wo wir zuerst den Schlüssel für einen gemischten Schlafsaal, anschließend für ein belegtes Doppelzimmer und zu guter letzt für unser gebuchtes Doppelzimmer bekamen. Irgendwie stand schon die Ankunft in Ho-Chi-Minh-City unter keinem guten Omen.

Auf Entdeckungstour durch Ho-Chi-Minh-City

Am nächsten Morgen haben wir uns auf Entdeckungstour durch die Straßen von Ho-Chi-Minh-City gemacht.

Die Stadt ist extrem laut und von Verkehrschaos geprägt. Es ist der absolute Wahnsinn wie viele Roller sich hier durch die vollgestopften Straßen quetschen und die Luft weiter mit Abgasen verpesten.

Auch die Stromleitungen sehen wie so oft in Asien sehr abenteuerlich und chaotisch aus.

Auf dem Weg zum Wiedervereinigungspalast kamen wir durch einen schönen Park und haben die herrliche Ruhe von den Auspuffen und Hupen genossen.

Der Wiedervereinigungspalast, in dem der Präsident von Südvietnam während des Vietnamkrieges residierte und arbeitete, ist der Ort an dem der Krieg am 30. April 1975 mit dem Fall Saigons beendet wurde. Ein Panzer der Vietnamesischen Volksarmee durchbrach an diesem Tag die Tore des Palasts und markierte so das Ende des Krieges.

Nach dem Besuch des Palasts sind wir zum Kriegsreste-Museum gelaufen, das zum Pflichtprogramm eines jeden Aufenthalts in Ho-Chi-Minh-City gehören sollte. Hier wird der Vietnamkrieg von der Entstehung über den Verlauf bis zum Kriegsende und den Nachwirkungen sehr anschaulich erklärt und dargestellt. Die Bilder sind teilweise sehr heftig und gehen einem sehr nah, aber der Vietnamkrieg ist ein wichtiger wenn auch dunkler Teil der Geschichte Vietnams und trägt zum Verständnis von Land und Leuten bei.

Als wir abends zurück in unsere Unterkunft kamen wurden wir vom Besitzer zu einer kleinen Party mit traditionellem Essen eingeladen. Der Abend war echt super: wir saßen mit vielen Vietnamesen und zwei anderen Gästen im Innenhof an einem großen Tisch mit allerlei frisch zubereiteten Speisen. Dennis wurde von einigen der Vietnamesen unter Lachen immer Bier nachgeschenkt (das sie hier übrigens auf Eis trinken) und sie dachten wohl er würde betrunken. Da unterschätzen sie die deutsche Bierkultur aber bei Weitem – was sollen so ein paar Bier schon ausrichten? Es waren dann die Vietnamesen die nach drei Dosenbier aufgaben.

Während des Essens wurden wir neugierig beäugt wie ungeschickt wir mit den Stäbchen umgingen, aber alle waren total nett und halfen uns die glitschigen Reisnudeln vom Servierteller sicher in unsere Schälchen zu befördern. Unterhalten wurde sich mit Händen und Füßen oder übersetzt durch die Hotelangestellten da außer ihnen kaum jemand Englisch sprach, aber das tat der Stimmung keinen Abbruch. Beide Seiten waren extrem neugierig und aufgeschlossen.

Zum Nachtisch gab es noch riesige Platten mit exotischen Früchten und wir konnten Früchte probieren die wie vorher noch nie gesehen hatten. Dann trauten wir uns Mango gedippt in grobem Salz zu probieren, worauf die Vietnamesen total abfahren. Wir können gar nicht in Worte fassen wie abartig das geschmeckt hat.

Der Abend war ein tolles Erlebnis auf unserer Reise und wir haben viel über die Kultur und Menschen Vietnams erfahren. Nach dem Abend waren wir umso dankbarer dafür, dass wir unser 4-monatiges Reiseabenteuer Wirklichkeit werden lassen konnten. Eine Vietnamesin mit der wir gesprochen haben war noch nie wirklich im Urlaub außer mal ein Wochenende in einer 4 Stunden entfernten Stadt. Ansonsten hat sie nicht einmal die Zeit und das Geld gehabt, ihr eigenes wunderschönes Heimatland zu bereisen.

Fieser Taschendiebstahl und fast das Ende des Blogs

Am nächsten Morgen sind wir von unserem Hotel aufgebrochen um uns weitere Sehenswürdigkeiten in Ho-Chi-Minh anzuschauen. Ich hatte an diesem Tag ausnahmsweise meine kleine Umhängetasche anstelle meines Rucksacks bei und hatte diese zusammen mit meiner Nikon über der Schulter hängen. Dennis hat die Kameratasche mit meinem zweiten Objektiv und Zubehör getragen. Wir waren erst ein paar Minuten von unserem Hotel entfernt in einem Gebiet in dem nicht viel los war und auch nicht viele Touristen zu sehen waren.

Wir liefen entlang einer großen breiten Straße auf der nicht viel Verkehr war, sodass wir nichts Böses ahnten. Als wir in ein Gespräch vertieft waren und dabei gerade eine einmündende Seitenstraße überquerten merkte ich plötzlich wie meine Kamera und Tasche ruckartig von meiner Schulter gezogen wurden. Ich dachte, dass sich ein Roller der sich hinter mir hergequetscht hatte mit seinem Lenker in meinen Tragegurten verhakt hatte. Dann sah ich meine geliebte Kamera in Zeitlupe auf den Teer fallen, den Bildschirm aufklappen und die Objektivkappe abfallen und dachte sie sei komplett kaputt. Ich bückte mich direkt um die Kamera und Kappe aufzuheben und wollte mich tierisch aufregen, dass der Rollerfahrer nicht einmal stehen bleibt, wo er schon für den Fall meiner Kamera verantwortlich ist.

Erst da merkte ich, dass er meine Tasche hatte und rief dies Dennis in Panik zu. Wir sprinteten sofort hinter dem vermeintlichen Dieb her, konnten aber kaum noch ausmachen welcher der Rollerfahrer wohl der fiese Übeltäter war, da alles so unglaublich schnell ging. Natürlich hatten wir auf der Verfolgungsjagd durch Ho-Chi-Minh-City in der unmenschlichen Hitze zu Fuß keine Chance gegen einen schwarz gekleideten Typen auf einem schnellen Roller und gaben nach ein paar Minuten völlig außer Atem auf (trotzdem Platz 1 im Sprint).

Ich überlegte kurz was alles in der Tasche war: mein Portemonnaie mit Kreditkarte, Perso und Führerschein, mein Handy und wichtiges Medizin-Equipment. Die erste Aktion war dann natürlich ein Anruf mit Dennis Handy bei meiner Bank um meine Kreditkarte schnellstmöglich sperren zu lassen, was zum Glück auch problemfrei geklappt hat. Es ist schon ein beschissenes Gefühl bestohlen zu werden und dass jemand Fremdes nun deine Sachen hat. Wir versuchten auch mein Handy zu orten und anzurufen aber der fiese Dieb hat es sofort ausgeschaltet.

Dann kamen zwei nette vietnamesische Opas, die mitbekommen hatten dass meine Handtasche geklaut wurde und zeigten uns mit Händen und Füßen dass wir zur Polizei gehen sollen. Dort begann dann das nächste Erlebnis. Wir ließen uns von einem Taxifahrer zur nächsten Polizeistation bringen um den Diebstahl anzuzeigen. Die Polizei hatte an diesem Sonntag wohl zu, aber der Pförtner konnte uns nach einigen Minuten doch zwei Polizisten auftreiben, die ein paar Brocken Englisch sprachen. Wir schilderten die Geschehnisse und haben auf der Karte den Ort gezeigt, an dem es passiert ist. Dann wurde uns mitgeteilt diese Polizeiwache sei für das Gebiet nicht zuständig und wir wurden ein paar Hundert Meter weiter an die nächste Polizei verwiesen. Diese Polizeiwache sah aus wie eine Garage mit Schreibtisch und nachdem wir wieder erzählten was wo passiert war wurden wir allen Ernstes wieder mit Händen und Füßen an die dritte Polizeiwache verwiesen, die nun endlich zuständig sein sollte.

Dort angekommen störten wir die unglaublich unfreundlichen Polizisten offensichtlich beim Zocken am Tablet. Uns wurde dann mit ein paar grottigen Brocken Englisch gesagt, dass niemand Englisch spreche und wir mit unserem Hotelpersonal zum Übersetzen wiederkommen sollen. Spätestens an diesem Punkt war mein Level an Genervtheit für diesen Tag erreicht und ich war kurz vorm Explodieren.

Wir sind dann die Straße entlang gelaufen und haben in einem Hostel nach Übersetzungshilfe gefragt. Der Mann an der Rezeption sprach super Englisch und war super freundlich. Er fragte uns zwar ob wir wirklich zur Polizei wollen da das eh nichts bringen würde und sinnlos sei, war dann aber gern bereit uns zu begleiten. Zurück in der Polizeiwache waren die Polizisten sichtlich genervt von der anstehenden Arbeit, hörten sich unsere Geschichte aber an.

Dann hieß es wir sollen zum Tatort fahren – warum auch immer – und nur einer von uns könne mitfahren. Letztlich ließen sie sich doch überzeugen, dass wir beide mitkönnen. So fuhren wir dann in einem alten gammligen Polizeiauto zum Ort des Diebstahls, wo sich die Polizisten kurz umschauten um dann direkt zurück zur Wache zu fahren. Uns wurde gesagt, dass der Dieb wahrscheinlich mit der Beute weit weg gefahren sei und mussten dann noch einen kurzen Bogen zum Tathergang ausfüllen. Wir wollten gerne eine Bescheinigung von der Polizei haben, dass meine Sachen gestohlen wurden (inkl. Perso & Führerschein) – wer weiß, vielleicht nützlich für irgendeine Versicherung und um nachzuweisen dass meine Ausweisdokumente in fremden Händen sind. Uns hätte schon eine einfache Unterschrift auf dem ausgefüllten Bogen gereicht aber die Polizisten weigerten sich vehement. Zuerst hieß es wir könnten am Nachmittag ein solches Schreiben abholen. Als wir nachfragten ob es nicht jetzt gehe, da wir am Nachmittag unseren Weiterflug antreten mussten, hieß es dann plötzlich dass wir in drei Tagen einen Nachweis abholen können. Auf Nachfragen warum das so lange dauern soll wurde uns dann gesagt sie müssten erst Ermittlungen anstellen (ja genau). Als wir das Formular abfotografieren wollten wurde es uns weggenommen und es wurde uns ein neuer Vorschlag gemacht. Wenn ich einfach unterschreibe, dass ich meine Sachen verloren habe, könne ich sofort eine Bescheinigung über den Verlust haben. Wenn ich darauf bestehe dass die Sachen gestohlen wurden dauert es drei Tage. Unser Pegel an Genervtheit war kurz vorm Explodieren. Das Motto „Die Polizei, dein Freund und Helfer“ gilt hier in Vietnam definitiv nicht. Stattdessen zeichnet sich die Polizei hier durch Faulenzer und Korruption aus. Da die Situation ausweglos war verließen wir die Wache total verärgert ohne jeglichen Nachweis (zumindest ließen sie uns dann doch das Formular abfotografieren). Was ein Tag!

Wir machten uns dann noch einmal auf zum Tatort und gingen die ganzen Nebenstraßen und sogar Hinterhöfe ab in der Hoffnung, dass der Dieb die Tasche mit dem Medizinequipment vielleicht ohne das Portemonnaie irgendwo an den Straßenrand geschmissen hat – leider Fehlanzeige.

Mittlerweile war es schon nach Mittag und uns war definitiv die Lust auf eine Sightseeingtour durch Ho-Chi-Minh-City vergangen (somit leider keine weiteren Fotos). Wir gingen nur noch etwas Essen bevor am Nachmittag unser Flug nach Phu Quoc startete der uns aus dieser verhexten Stadt bringen würde. Ich hab mich noch den ganzen Tag wahnsinnig geärgert. Wir hatten immer so viel Acht auf unsere Sachen gegeben und in einem unaufmerksamen Moment kommt so ein Fiesling und stiehlt einem hinterlistig die Handtasche.

Trotzdem hatten wir Glück im Unglück: an erster Stelle natürlich dass mir nichts passiert ist (ich hätte beim Runterreißen der Tasche auch auf den Asphalt fallen können, was mit kurzen Sachen sicher nicht lustig gewesen wäre), meine geliebte Kamera hat der Dieb nicht bekommen (das hätte wohl das Ende des Blogs bedeutet), die Kamera ist bis auf ein paar blöde Macken noch heile, der Dieb hat nicht viel erbeutet (in meinem Portemonnaie waren vielleicht 50-60€ Bargeld, mit meinem schrottigen Handy was eh reif für die Mülltonne war kann er wohl nichts anfangen und auch mit dem Medizin Zeug nicht). Zum Glück hatte Dennis meine Kameratasche mit Objektiv, die der Dieb somit nicht bekommen hat und mein Reisepass lag sicher im Hotel. Trotzdem ist es super ärgerlich, dass ich seitdem kein Handy mehr habe was auf Reisen nicht gerade ideal ist (sorry auch an alle, denen ich deswegen nicht mehr bei Whatsapp schreiben konnte) und ich muss meinen Perso und Führerschein neu beantragen. Die Medizinsachen hatten wir zum Glück doppelt dabei. Naja, hoffentlich hat der Dieb jetzt ein ganz mieses Karma und bekommt seine gerechte Strafe.

Mein Tipp an alle Asien-Urlauber: benutzt Bauchtaschen, Umhängeportemonnaies oder feste Rucksäcke und passt gut auf eure Sachen auf!

Unterkunftstipp

CuCu Hostel: Neues Hostel mit sehr schönen modernen Zimmern zu günstigen Preisen in super Lage. Die Angestellten sind unglaublich nett und bemüht, auch wenn die meisten sehr schlecht Englisch sprechen. Dafür ist die Gastfreundschaft nicht zu übertreffen (wir wurden zu einem traditionellen Dinner eingeladen und bei unserer Abfahrt kamen die Angestellten zum Winken mit an die Straße). Das macht auch das eher magere Frühstück wett.

Restauranttipp

Asian Kitchen: Hammer Restaurant mit toller asiatischer und westlicher Küche zu günstigen Preisen. Die Gerichte sind unglaublich lecker, vor allem die vietnamesischen Makkaroni mit Rindfleisch sowie das gebratene Gemüse. Außerdem gibt es immer eine Happy-Hour-Karte, bei der man einige Speisen und Getränke noch günstiger bekommt. Zum Nachtisch sollte man sich den Pfannkuchen mit Nutella nicht entgehen lassen.