Von Hoi An nach Da Lat

Nach zwei sonnigen Tagen in Hoi An sind wir mit einem Uber zurück nach Da Nang gefahren und haben von dort für 323.000 Dong (~12€) pro Person einen Zug (Soft Seat) genommen, der uns in ca. 11 Stunden nach Nha Trang gebracht hat. In der Küstenstadt, die vor allem für Partyurlauber und Strand bekannt ist, haben wir nur die Nacht verbracht um nicht zu lange am Stück zu reisen. Als wir abends ankamen sind wir nur noch Essen gegangen und es gab tatsächlich ein deutsches Restaurant (German Restaurant Haus Bremen) in dem wir ein super leckeres Schnitzel mit Bratkartoffeln bekommen haben – yummi nach soo viel Asia-Food.

Wir haben noch die Busfahrt nach Da Lat für den nächsten Morgen gebucht und sind dann total k.o. ins Bett gefallen. In Nha Thrang machen übrigens sehr viele Russen Urlaub und die ganze Stadt ist auf dieses Publikum ausgerichtet: russische Speisekarten, Diskotheken,…

Am nächsten Morgen ging es dann für 120.000 Dong (~4,50€) pro Person in einer ca. 4-stündigen Busfahrt durch die atemberaubende grüne Berglandschaft Vietnams ins schöne Städtchen Da Lat.

Da Lat

Da Lat liegt auf 1500 Meter Höhe im zentralen Bergland und ist durch ein eher mildes Klima geprägt. Wie uns im Vorfeld von einigen Vietnamesen berichtet wurde verbringen hier viele Vietnamesen ihre Flitterwochen und schnell wurde uns auch klar warum. Die Stadt ist extrem ordentlich, sauber, ruhig sowie idyllisch und die Straßen sind von schönen Häusern gesäumt.

Außerdem leuchten überall große Blumen, die in wunderschönen Farben blühen.

Das typische asiatische Verkehrschaos mit lauten Auspuffen findet man hier nur an wenigen Ecken. Mitten in Da Lat liegt ein schöner großer See , um den man gemütlich herumspazieren kann. Wer möchte kann auch ein Tretboot mieten.

Natürlich gibt es wie fast überall in Asien auch schöne Tempelanlagen.

Crazy House

Sehr sehenswert ist das „Crazy House“ (Eintritt kostet 50.000 Dong (~1,90€) pro Person), das schwer zu beschreiben ist. Es handelt sich um ein „Kunstwerk“ einer sehr ideenreichen und kreativen Designerin, die ihrer Phantasie freien Lauf gelassen hat. Es gibt ein Hexenhaus-ähnliches Gebäude mit allerlei verrückten Details sowie kleine begehbare Brücken, die sich über das Dach schlängeln.

Im Innern der Gebäude findet man höhlenartige Gänge.

Außerdem kann man ein großes felsartiges Gebilde, das man über die vielen kleinen Brücken und Gänge erreicht, besteigen um einen Weitblick über Da Lat zu genießen.

Weitere Häuser daneben sind bunt angemalt und verziert.

Ein Besuch des Crazy House ist definitiv mal etwas anderes und man fühlt sich wie in der Kulisse eines Fantasyfilms.

Unvergessliche Easy Rider Tour

Besonders schön ist natürlich die grüne Berglandschaft rund um Da Lat. Um mehr von Natur und Kultur zu entdecken haben wir uns entschlossen eine Tour mit den legendären Easy Ridern zu machen, die es schon seit etlichen Jahren in der Region gibt. Die Easy Rider sind Einheimische, die Touristen auf ihrem Motorrad mitnehmen und ihnen die schönsten Ecken ihrer Heimat und die Besonderheiten ihrer Kultur zeigen. Easy Rider muss man übrigens nirgendwo buchen, meist wird man einfach beim Spaziergang durch Da Lat von den Fahrern angesprochen.

Wir hatten am Vortag das Glück mit Titi (0904453049 / titidala83@gmail.com) und Hiep (0909506684 / ngochiepmap@gmail.com) zwei Urgesteine der Szene vorm Crazy House zu treffen, die super Englisch sprechen. Die zwei sind schon seit 1993, also seit den Anfängen der Easy Rider Touren, dabei. Sie zeigten uns ihre „Gästebucher“, die jeder Easy Rider hat und die sehr hilfreich bei der Entscheidung sind, denn man setzt sich ja nicht einfach bei irgendeinem Fremden hinten aufs Motorrad. In den Büchern haben die Kunden aus aller Welt ihre Erfahrungen mit den beiden in ihrer jeweiligen Landessprache aufgeschrieben. Es waren auch sehr viele deutsche Texte dabei, die allesamt nach anfänglichen Zweifeln extrem begeistert von den Touren waren, sodass wir uns auch dazu entschlossen mit den beiden eine Tagestour für ca. 21€ pro Person durch die Landschaft um Da Lat zu machen.

Ich hatte anfangs etwas Bedenken, da ich noch nie auf einem Motorrad mitgefahren bin und nicht wusste wie rasant die Fahrt mit einem Vietnamesen würde. Die Bedenken lösten sich allerdings kurz nachdem uns Titi und sein netter Bruder (Hiep hatte leider eine andere Tour an diesem Tag) pünktlich um 8.30 Uhr mit ihren Motorrädern am Hotel abgeholt hatten, in Luft auf. Titi fuhr sehr vorsichtig und umsichtig und wir cruisten fast nie mit mehr als 40 km/h durch die Landschaft, sodass man entspannt die tolle Aussicht genießen konnte während Titi einiges über das Land zu erzählen hatte.

Tiit auf seiner Maschine

Bunter Tempel

Zunächst hielten wir kurz an einem kunterbunten Tempel mit riesigen Figuren und Titis Bruder erläuterte uns die Bedeutung der Symbole und Darstellungen.

Gemüseanbau und Blumenzucht

Dann ging es in die hügelige Landschaft rund um Da Lat, wo viele Gewächshäuser stehen da das Klima ideal zum Gemüseanbau und zur Blumenzucht ist. Wir hielten an einigen Aussichtspunkten und die beiden erklärten uns was hier angebaut wird und vor allem dass die Besitzer der Plantagen im Gegensatz zum Rest der Bevölkerung extrem reich sind.

Aussichtshügel

Anschließend konnten wir einen kleinen Spaziergang auf einen Aussichtshügel machen von dem man einen schönen Blick auf die Landschaft hatte.

Landschaft

Dann cruisten wir weiter durch die herrliche Landschaft, den frischen Fahrtwind im Gesicht. Titis Bruder hat früher im Vietnamkrieg gekämpft und zeigte uns den Dschungel, in dem damals gekämpft wurde und berichtete uns von dieser schrecklichen Zeit in der Geschichte Vietnams.

Gewächshäuser

Auf dem weiteren Weg durften wir uns noch ein Gewächshaus von innen anschauen, in dem vor allem Rosen und Gerbera gezüchtet wurden.

Kaffeeplantagen

Nach weiteren Kilometern entlang der herrlich grünen Landschaft erreichten wir eine Kaffeeplantage und Titi zeigte uns die Kaffeepflanzen zu den verschiedenen Kaffeesorten.

Anschließend konnten wir den Kaffee auch probieren und ich wagte mich an den teuren vietnamesischen Wiesel-Kaffee, den ich schon lange mal probieren wollte. Wiesel fressen die Kaffeekirschen und scheiden die Bohnen wieder aus, die anschließend gesäubert und geröstet werden. Durch den „Umweg“ durch den Wiesel soll der Kaffee eine ganz besondere Note erhalten (aufgrund der Fermentation im Darm werden dem Kaffee u.a. Bitterstoffe entzogen) . Davon habe ich leider nichts geschmeckt und fand den Kaffee nicht sonderlich lecker, aber dafür trinke ich wahrscheinlich viel zu selten Kaffee.

Reiswein

Anschließend hielten wir noch an einem Haus wo Reiswein produziert wurde. Titis Bruder zeigte uns die Fässer mit gehrendem Reis, die extrem stanken, sowie die riesigen Kessel in denen der Reiswein gemacht wurde.

Überall in den Räumen standen gruselige Gefäße mit toten Schlangen, Maden, Echsen oder Vögeln, die in Alkohol eingelegt waren. Die Vietnamesen trinken den Alkohol dann weil sie glauben dass sei z.B. potenzfördernd.

Pflanzenkunde

Auf der weiteren Fahrt entlang der Geheimtipp-Route von Titi, auf der man definitiv keinen anderen Touristen trifft, hielten wir alle paar Meter an um verschiedene Pflanzen und Früchte anzuschauen. Es ist echt der absolute Wahnsinn was hier einfach am Straßenrand wächst: Ingwer, Zitronengrass, Sternfrucht, Avocado, Jackfruit, Pfeffer,… und viele Pflanzen die wir gar nicht kennen.

Wo der Pfeffer wächst…

Pfefferkörner

Aus dieser Pflanze wir u.a. Lippenstift gemacht

Sternfrucht

Elephant Falls

Schließlich erreichten wir die schönen Elephant Falls zu denen wir hinabsteigen konnten.

Buddhistischer Tempel

Nach einem kurzen Besuch eines Tempels mit lustiger dicker Buddhafigur ging es weiter zu einer Seidenfabrik.

Seidenfabrik

Angekommen in der Seidenfabrik fanden es ziemlich schockierend zu sehen wie Seide eigentlich hergestellt wird. Die Raupen der Seidenspinner spinnen einen flauschigen weißen Cocon aus Seide um sich herum und verpuppen sich um ein Schmetterling zu werden.

Doch zur Seidenherstellung werden die Raupen in ihrem Cocon qualvoll durch Abkochen getötet woraufhin der Cocon zu einem Seidenfaden abgewickelt und weiterverarbeitet wird.

Die fertige Seide wir dann am Webstuhl zu Stoff gewebt.

Reisnudelherstellung

Im weiteren Laufe des Tages konnten wir noch in einer Hinterhofgarage bei Einheimischen einen Blick auf eine kleine Reisnudelherstellung werfen. In der Garage war es unmenschlich heiß vom Wasserdampf, kaum vorstellbar hier den ganzen Tag zu arbeiten.

Champignonzucht

Außerdem schauten wir uns eine etwas versteckt gelegene Champignonzucht an bei der sich hinter Plastikplanen lange Gänge mit unzähligen Plastikbeuteln befanden aus denen vorne Champignons wuchsen.

Minderheitsdorf

Schließlich hielten wir noch in einem sehr ursprünglichen Dorf in dem eine ethnische Minderheit in einfachen Holzhäusern lebt.

Da unsere Guides die Menschen dort kannten durften wir einen näheren Blick in die Küchen werfen und wurden freundlich begrüßt.

Bei der kleinen Tour durch das Dorf verfolgte uns ein kleiner süßer Hundewelpen der unsere Schuhe anknabbern wollte.

Rückweg nach Da Lat

Und ehe wir uns versehen konnten war der ereignisreiche Tag auch schon fast wieder vorbei und wir machten uns auf den Rückweg nach Da Lat wobei wir die herrliche Landschaft noch einmal in uns aufsagten.

Blumen

Am Ende stoppten wir noch kurz an einer Halle wo die wunderschönen Blumen aus den Gewächshäusern verkaufsfertig gebunden wurden.

Fazit

Eine Tour mit den Easy Ridern ist ein unvergessliches Erlebnis das auf keiner Vietnamreise fehlen sollte (es werden übrigens auch Mehrtagestouren mit Übernachtung angeboten). Es ist eine tolle Möglichkeit mit Einheimischen in Kontakt zu kommen und einzigartige Eindrücke zu sammeln. Die Easy Rider kennen definitiv Ecken, die man alleine nie entdecken würde und können Türen öffnen, die sonst verschlossen blieben. Vietnam hautnah!

Unterkunftstipp Da Lat

Muse House: Preiswerte Unterkunft in guter Lage mit nett dekorierten Zimmern allerdings ohne Heizung. Im Eingangsbereich befindet sich ein gemütliches Café. Das Frühstück ist leider nicht besonders gut und abends ist es nicht immer ruhig.

Restauranttipps Da Lat

One More Cafe: Nettes kleines Café mit überschaubarer Speisekarte sowie einer kleinen Kuchentheke.

Vuong Pizza: Super leckere riesige italienische Pizzen. Bei Heißhunger auf Pizza definitiv die richtige Adresse.

An Cafe: Stylisches Café mit vietnamesischen Gerichten. Wir hatten eine leckere Suppe und frischen Tee.

Delycious by Cent Cafe: Hübsches, gemütliches kleines Café.

Wheel House: Kleines Restaurant mit vietnamesischen sowie westlichen Speisen. Das Essen war super lecker und günstig. Um die Wartezeit zu überbrücken kann man Jenga spielen.

Oz Burgers: Mega leckere Burger, die man sich nicht entgehen lassen sollte – Yammi!

Bartipp

100 Roof Bar: Die wohl ausgefallenste Bar Da Lats. Das Innere ist ein riesiges Labyrinth aus kleinen Gängen, Höhlen, urigen Ecken und skurriler Deko. Es erinnert stark an das Crazy House nur über mehrere Etagen in einem Haus.