Da wir einiges über die spannende Zugfahrt von Hsipaw nach Mandalay über das Goteik Viadukt gelesen hatten, wollten wir uns ein eigenes Bild machen. Unser Trekking Guide Jo Jo hat uns Zugtickets bis Pyin U Lwin besorgt, von wo wir mit einem Taxi bis Mandalay weiter fahren würden. Die 7-stündige Zugfahrt bis Pyin U Lwin in der ersten Klasse mit gepolsterten Sesseln kostete uns lediglich 3000 Kyat (~1,90€) pro Person. In der zweiten Klasse gibt es nur Holzbänke und da die Fahrt teilweise sehr sehr holprig ist, sollte man unbedingt die erste Klasse buchen wenn man keine blauen Flecken möchte. Wer die gesamte Strecke von Hsipaw bis Mandalay mit dem Zug zurück legen möchte muss 11h oder länger einrechnen (zum Vergleich: ein Bus braucht nur ca. 6h). Der spannendste Streckenabschnitt ist aber definitiv der erste über das Goteik Viadukt, sodass eine Fahrt bis Pyin U Lwin völlig ausreicht (und dann hat man auch wirklich keine Lust mehr, glaubt mir!).

Am Bahnhof in Hsipaw

Morgens fuhren wir zum Bahnhof in Hsipaw, der sehr klein ist. Trotzdem gibt es wie überall in Asien viele kleine Verkaufsstände.

Die Fahrt geht los…

Um 9.30 Uhr fuhr der alte rostige Zug dann ein und es ging los. Die Wagons sahen von innen schon ziemlich alt und abgenutzt aus und die Sitze waren relativ durchgesessen. In weiser Voraussicht haben alle Touristen ihre Backpacks auf den Gepäckablagen gut festgeschnallt, denn der Zug hat die nächsten 7h heftig geschaukelt und geruckelt.

Besonders verwundert haben uns die vielen Blätter und Zweige auf den Sitzen. Zunächst dachten wir, dass vorherige Fahrgäste Pflanzen transportiert haben, was in Asien nicht unüblich ist, doch kurze Zeit später würde sich das Rätsel auflösen.

Und dann fuhr der Zug ratternd los mit einer rasanten Geschwindigkeit, die zwischen Schritttempo und ca. 20 km/h schwankte. Alle Fenster waren offen und die Büsche, Bäume und sonstigen Pflanzen links und rechts der Gleise waren nicht zurückgeschnitten (also bitte nicht den Kopf aus dem Zugfenster stecken).

Somit war der Zug gleichzeitig eine Art Heckenschere und alle möglichen Blätter, Äste, Ameisen, Grashüpfer und sonstige Tiere flogen durch die Fenster in den Zug. Nach kurzer Zeit sahen wir aus wie Gärtner und waren voller Grünzeug – auch schön. Ich bekam dann eine ziemliche Schnupfenattacke von den ganzen Pollen, was echt unangenehm war.

Die traumhafte grüne Landschaft hat jedoch für die Unannehmlichkeiten entschädigt. Wir fuhren an wunderschönen Feldern und Wiesen sowie kleinen Dörfern vorbei, deren Bewohner uns freundlich zuwinkten. Wenn einmal am Tag ein Zug vorbeifährt ist das eben noch was besonderes 😉 .

Zwischendurch hielten wir an kleinen Bahnhöfen und Fahrgäste stiegen ein und aus. Außerdem präsentierten Frauen verschiedene Köstlichkeiten auf kleinen Hockern am Wegesrand oder auf großen Tellern, die sie auf dem Kopf trugen.

Wir fuhren auch an einigen Büffeln vorbei, die neben den Bahnschienen grasten.

Fahrt über das Goteik Viadukt

Dann näherte sich der Zug langsam dem berühmten Goteik Viadukt, weshalb wir die lange Zugfahrt auf uns genommen haben, und die Spannung im Zug stieg sichtlich. Das Goteik Viadukt ist die höchste Brücke Myanmars, die unter der Kolonialherrschaft der Briten im Jahre 1900 fertig gestellt wurde und damals die größte Eisenbahn Bockbrücke der Welt war.

Der Anblick dieses Bauwerks ist schon sehr imposant und man hat ein etwas mulmiges Gefühl, wenn der Zug ganz langsam über die Brücke rollt und man durch das offene Fenster 250m tief ins Tal schauen kann. Lieber Gott, bitte lass die dünnen Stahlträger halten!

Von Hsipaw kommend sollte man übrigens unbedingt auf der rechten Seite sitzen um den besten Blick zu haben. Nachdem man die Brücke sicher überquert hat fährt der Zug noch einige Kurven, sodass man eine tolle Sicht auf die alte Brücke und das schöne Tal hat.

Schließlich hielten wir einige Zeit an einem Bahnhof, von wo man die Brücke in der Ferne noch sehen konnte und wir konnten aussteigen zum Fotos machen.

Im Zug waren auch einige Soldaten, die komischerweise Raketenwerfer und Sturmgewehre dabei hatten und Leute damit haben posieren lassen. Sehr befremdlich.

Dann kam uns der Zug nach Hsipaw entgegen und man merkte, wie aufgeregt die Passagiere waren, dass es bald über das Viadukt geht.

Wir konnten den Zug über die Brücke fahren sehen und von weitem sah er auf der riesigen Brücke aus wie eine kleine Modelleisenbahn.

Die Fahrt geht weiter..

Unsere Zugfahrt führte weiter durch sattgrüne Landschaften.

Nach Stunden voller Geschaukel und Grünzeug erreichten wir dann Pyin U Lwin und waren froh, den Zug endlich verlassen zu können. Weitere 4-5h Fahrt wären echt unangenehm geworden. Die Fahrt lohnt sich aber total und wir würden es jeder Zeit wieder machen.

Am Bahnhof stürmte direkt eine Horde Taxifahrer auf uns zu und wir fuhren dann mit zwei weiteren Reisenden für 6000 Kyat (~3,80€) pro Person in ca. 1,5h bis zu unserem Hotel in Mandalay. Die Landschaft auf der Fahrt hinab ins Tal war echt toll und es gab einen spektakulären Sonnenuntergang.

 

Diese aufregende Zugfahrt über das Goteik Viadukt war der Abschluss unserer dreiwöchigen Reise durch das wunderschöne Myanmar, denn am nächsten Tag ging unser Flug von Mandalay nach Bangkok! Auf in neue Abenteuer!