Anstrengende Fahrt vom Inle-See nach Bagan

Von Nyaung Shwe haben wir für 12.000 Kyat (~7,40€) pro Person einen Minibus nach Bagan genommen (von Bagan Prince), der ca. 8h für die kurvenreiche Strecke gebraucht hat. Die Fahrt war eine der anstrengendsten und unbequemstem unserer bisherigen Reise. Obwohl das Gepäck auf dem Dach des Minivans befestigt wurde, war es im Bus extrem eng. Ständig nahmen wir weitere Leute mit, sodass einige Männer auf dem Dach des Busses Platz nehmen mussten. Innen wurde es immer stickiger, es roch nach allem möglichen Essen und die Luft wurde immer schlechter.

Dank der massiven Überladung des Minibusses gab es leider auch keine Federung mehr, sodass jedes Schlagloch zum riesen Spaß wurde. Auf der Strecke fuhren wir auch ein Stück durch kniehohes Wasser, da eine Straße überflutet war. Am späten Nachmittag hatten wir die Fahrt dann endlich überstanden und erreichten unser schönes Hotel in Bagan, wo wir die nächsten vier Nächte verbracht haben.

Tempel, Tempel und noch mehr Tempel

Am nächsten Morgen mieteten wir uns von unserem Hotel für 5.000 Kyat (~3€) pro Person Elektroscooter um Bagans berühmte Tempellandschaft mit über 2000 erhaltenen Pagoden aus der Zeit zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert zu erkunden.

In Myanmar ist es Touristen verboten Motorroller zu fahren um Unfälle zu vermeiden, wohingegen Elektroscooter (unsere haben dank Turbomodus 65km/h auf die Straße gebracht) witzigerweise erlaubt sind. Das Fahren mit einem Elektroscooter macht riesig Spaß (besonders weil mein Roller schneller war als der von Dennis und ich ihn so immer abhängen konnte 😀 ) und ist angenehm leise, da es ja keine Motorengeräusche gibt. Unser Hotel lag etwas außerhalb, sodass wir zunächst ca. 10 Minuten bis zu den Pagodenfeldern geheizt sind, die ungefähr in dem Dreieck mit den Eckpunkten Old Bagan, New Bagan und Nyaung-U liegen.

Man kann z.B. zunächst die Anawratha Road von Nyaung-U nach Old Bagan entlang fahren, an der links und rechts bereits einige Pagoden liegen, die man sich von innen anschauen kann. In vielen der Pagoden findet man im Innern große Buddhafiguren oder wunderschöne Wandmalereien, die mal besser und mal schlechter erhalten sind.

Die größeren Pagoden haben riesige Gänge mit Rundbögen, durch die man einmal komplett im Kreis gehen kann.

Wenn man von der Anawratha Road einen der kleinen Feldwege nach links nimmt, kann man sich einfach treiben lassen und mit dem Roller ohne genaues Ziel durch die Tempellandschaft cruisen. Je nach Wetterlage können einige der Feldwege aber extrem schlammig und glitschig oder komplett unpassierbar werden, wenn sie nach heftigem Regenwetter teilweise überschwemmt sind.

Einige der Pagoden sind sehr gut erhalten und für Besucher geöffnet, andere sind bereits Ruinen, die von der Natur nach und nach zurückerobert werden.

Wenn man einen schönen Tempel gefunden hat, hält man einfach davor an und schaut, ob man ihn weiter erkunden kann. Einige Tempel kann man durch schmale, dunkle, enge Treppenaufgänge besteigen und wird mit einer atemberaubenden Aussicht auf die vielen Pagodenspitzen belohnt, die aus dem satten Grün hervorragen.

Es ist ein Wahnsinns Gefühl, wenn man ganz allein auf einem dieser uralten Tempel steht, die schon so viele Jahrhunderte dort Wind und Wetter trotzen und eine lange Zeit der Weltgeschichte überdauert haben. Beim Blick auf die unzähligen Tempel am Horizont kann man nur erahnen, wie es hier damals ausgesehen haben muss, als es in der einstigen Königsstadt noch über 6.000 Tempel aus Ziegelstein gab.

Das Wetter war an diesem Tag ziemlich wechselhaft mit strahlendem Sonnenschein, einem kurzen Regenschauer und am Abend einem wolkenverhangenen Himmel. Deshalb gab es leider keinen tollen Sonnenuntergang.

Weitere Fotos von der Tempelerkundung findet ihr hier

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Tipps zur Tempelerkundung

  • Unbedingt Flip-Flops anziehen, da man an wirklich jedem Tempel die Schuhe ausziehen muss (das kann auf Dauer unglaublich nervig werden wenn man Sneaker trägt)
  • Am besten eine dünne bequeme lange Hose tragen oder ein Tuch mitnehmen, was man sich umbinden kann, da in und auf den Tempeln keine kurzen Hosen erlaubt sind
  • Eine Taschenlampe ist Gold wert, wenn man die dunklen Treppenaufgänge der Pagoden hochklettert – sowohl am Tag als auch zum Sonnenaufgang oder -untergang
  • Auf dem Rückweg vom Sonnenuntergang mit dem Roller sollte man sich eine Jacke überziehen und nochmal den Mückenschutz auffrischen, da abends extrem viele Viecher unterwegs sind
  • Weiter unten haben wir eine kleine Liste mit empfehlenswerten Tempeln zur Orientierung zusammengestellt

Magischer Sonnenuntergang über Bagan

Am zweiten Tag war das Wetter am späten Nachmittag ganz gut, sodass wir den perfekten Ort zum Sonnenuntergang suchten. Den haben wir dank der App maps.me, in der jemand einen wunderschönen Tempel als Aussichtspunkt markiert hat (mit „best viewpoint ever“ – und glaubt mir, die Bezeichnung hält was sie verspricht) auch gefunden.

Gegen 16.30 Uhr erreichten wir den besagten Tempel, der schon etwas verwittert ist. Zunächst dachten wir, man könnte gar nicht hochklettern weil drei der vier Eingänge zugemauert sind. Dann aber haben wir den schmalen Treppenaufstieg gefunden und als wir oben aus dem Durchgang ins Licht getreten sind kamen wir aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Der Ausblick von hier oben ist unserer Meinung nach definitiv der beste in Bagan. Soweit das Auge reicht sieht man überall wunderschöne Pagoden im satten Grün – einfach unbeschreiblich. Wir waren zu dem Zeitpunkt auch noch ganz allein auf dem großen Tempel und konnten den Ausblick in herrlicher Stille in uns aufsaugen.

Mit ein bisschen Klettern kann man übrigens auch noch auf die höhere Ebene des Tempels gelangen, wo die Aussicht noch schöner ist.

Etwas später trudelten dann einzelne weitere Touristen mit Rollern ein. Der Sonnenuntergang ist ca. gegen 17.30 Uhr und wir würden empfehlen spätestens um 17 Uhr schon einen Platz mit guter Sicht zu haben. Zum Sonnenuntergang waren dann ca. 60 Leute auf dem Tempel, was aber im Gegensatz zu anderen überlaufenen Tempeln, wo ganze Busladungen angekarrt werden, nicht viel ist.

Beim Sonnenuntergang herrschte eine ganz besondere Atmosphäre und die Landschaft wurde nach und nach in Nebel uns sanftes Licht getaucht, das die Pagoden mystisch einhüllte.

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Weil uns der Tempel so fasziniert hat, waren wir nochmal am nächsten Tag nachmittags dort und hatten ihn bis auf ein zwei vereinzelte kurze Besucher wieder ganz für uns allein. Es ist herrlich, einfach eine Zeit lang den Ausblick zu genießen und alles um sich herum zu vergessen. Definitiv unser Highlight in Bagan.

Verregneter Sonnenaufgang

Da die beiden vorherigen Tage morgens das Wetter nicht mitgespielt hat, wollten wir am letzten Tag unser Glück probieren, einen der legendären Sonnenaufgänge über der Tempellandschaft von Bagan zu erleben. Normalerweise fliegen hunderte Heißluftballone über die Pagodenspitzen und der Himmel ist feuerrot gefärbt.

Mit dieser Erwartung haben wir uns zu einer unmenschlichen Zeit aus dem Bett gequält und sind um 4 Uhr morgens mit dem Hotelshuttle zum Buledi Tempel gefahren. Leider war relativ schnell klar, dass wegen dem Wind keine Heißluftballone steigen würden, genau wie die vorherigen Tage. Allerdings waren wir trotzdem noch positiv gestimmt auf einen schönen Sonnenaufgang. Doch nach ca. 15 Minuten auf dem Tempel machte sich Ernüchterung breit als es zu regnen begann und man eine Wolkendecke erkennen konnte. Ein Sonnenaufgang war uns wohl nicht gegönnt.

Einige Tempel waren jedoch beleuchtet und strahlten goldgelb im pechschwarzen Nachthimmel.

Als es langsam heller wurde konnten wir nach und nach die Silhouetten der vielen Tempel in den Nebelschwaden erkennen und der Ort bekam eine mystische Atmosphäre.

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Auch wenn es keinen orangeroten Sonnenaufgang gab, hat sich das frühe Aufstehen dann doch irgendwie gelohnt.

Empfehlenswerte Tempel in Bagan

Wir haben Euch eine kleine Liste von Pagoden zusammengestellt, die ihr als Starthilfe zur Tempelerkundung nutzen könnt. Ihr solltet es euch allerdings nicht entgehen lassen, einfach mal draufloszufahren und ohne Plan die Tempel anzusteuern, die euch spontan gefallen. So haben wir teilweise tolle Pagoden abseits der Touristenströme entdeckt, auf denen wir ganz allein die herrliche Aussicht und Stille genießen konnten

Geheimtipp: Namenloser Tempel („Best Viewpoint ever“) (GPS-Koordinaten: 21°09′31.96″N 94°52′50.18″E)

Unser absoluter Lieblingstempel. Dieser relativ große verwilderte Tempel ist schon von außen sehr sehenswert. Die Aussicht von oben ist aber nicht zu übertreffen und macht definitiv sprachlos. Tagsüber hat man hier sogar meist das Glück ganz allein auf dem Tempel zu sein.

Geheimtipp: 1185 (GPS-Koordinaten: 21°08′53.06″N 94°51′37.34″E)

Diesen kleineren wenig besuchten Tempel haben wir durch Zufall entdeckt und uns sofort verliebt. Wenn man den schmalen Treppenaufgang hochklettert wird man mit einer tollen Aussicht belohnt. Wir hatten das große Glück einen bzw. zwei wunderschöne Regenbögen über der Tempellandschaft von hier oben bewundern zu dürfen.

Aussichtshügel (GPS-Koordinaten: 21°09′46.28″N 94°52′48.46″E)

In der Nähe des Sulamani Tempels gibt es einen Aussichtshügel, von dem man auch eine schöne Aussicht auf die umliegenden Pagodenspitzen hat.

South Godi

Schöner Tempel, den man besteigen kann um eine gute Aussicht zu haben. Zum Sonnenuntergang sind hier allerdings viele Touristen.

Gawdawpalin

Großer Tempel mit vielen Verzierungen und Goldspitze. Neben diesem Tempel befindet sich eine kleine Pagode, die man besteigen kann und von der man eine tolle Sicht auf den Gawdawpalin hat.

Bu Phaya

Diese strahlend goldene Pagode, die aussieht wie ein Flaschenkürbis, befindet sich direkt am Fluss.

Ananda Pahto

Großer sanierter sandfarbener Tempel mit vielen Verzierungen und riesigen Buddhastatuen im Innern.

Payathonzu

Kleiner, unscheinbarer Tempel, der im Innern jedoch mit sehr schönen Wandmalereien überrascht

Buledi

Hier wurden wir vom Hotel zum Sonnenaufgang hingebracht. Der Tempel an sich ist eher unspektakulär, die Aussicht ist aber ganz schön.

Dhamayangyi Pahto

Großer markanter Tempel, der von außen etwas an eine Pyramide erinnert. Das Innere ist riesig mit vielen Buddhafiguren.

Shwezigon

Komplett vergoldete Pagode. Nicht wundern, wenn sich viele Menschen um eine kleine Pfütze drängen um ein Foto zu machen wie sich die Pagodenspitze im Wasser spiegelt.

Pyathada Paya

Orientalisch anmutender Tempel, der ein schönes Fotomotiv abgibt. Auch hier findet man im Innern Buddha-Figuren.

Sulamani

Großer Tempel mit beeeindruckenden riesigen Wandmalereien.

Restauranttipps

The Moon (New Bagan): Tolles vegetarisches Restaurant mit abwechslungsreicher Speisekarte. Der gebratene grüne Spargel mit kleinen Kartöffelchen ist der Hammer. Das „The Moon“ gibt es übrigens sowohl in New Bagan als auch in Old Bagan – auch wenn die Speisekarten identisch sind ist das Restaurant in New Bagan in Puncto Ambiente viel viel schöner.

Black Bamboo: Gemütliches Restaurant mit lokalen und europäischen Speisen. Ich hatte ein asiatisches Gericht mit gebratenem Fisch und Gemüse, das unglaublich lecker war. Zum Nachtisch kann man das hausgemachte Eis probieren.

La Terrazza: Guter Italiener mit leckerer Pizza und hausgemachter Pasta und Gnocchi, allerdings nicht ganz günstig.

Unterkunftstipp

Myanmar Han Hotel: Sehr schöne Anlage mit Pool, großen sauberen Zimmern und Restaurant, die allerdings etwas außerhalb liegt. Dafür gibt es aber sehr günstige Elektroscooter, kostenlose Shuttles nach Nyaung-U sowie günstigen individuellen Transport. Es wird auch für 1.000 Kyat (~ 60 Cent) pro Person morgens um 4 Uhr ein Shuttle zu einem Tempel zum Sonnenaufgang angeboten, da es sehr schwierig sein kann im Dunkeln selbst einen passenden Tempel zu finden.

Bootsfahrt von Bagan nach Mandalay

Um von Bagan nach Mandalay zu kommen haben wir uns gegen eine weitere nervenaufreibende unbequeme Busfahrt entschieden und dafür die deutlich langsamere aber schönere Variante einer Bootsfahrt gewählt. Wir haben für die 12-stündige Fahrt Plätze auf der RV Panorama, einem etwas besseren Schiff, für 40 USD (~34€) pro Person inklusive Frühstück, Mittagessen und Sunset-Cocktail in einer der Travel Agencies in Nyaung-U gebucht. Wir waren froh, dass wir die 8 USD mehr im Vergleich zu den einfachen Schiffen gezahlt haben, denn die Fahrt war rundum perfekt. Das Schiff war sehr gepflegt, es gab bequeme Ledersessel, eine tolle Außenterrasse mit Liegestühlen, Klimatisierung, leckeres Essen, freundliches Personal…

Witzigerweise waren Dennis und ich die einzigen Passagiere an diesem Tag, sodass wir das Schiff für uns allein hatten und nur mit ca. 8 Leuten Besatzung teilten 😀 . Im Oktober ist noch Nebensaison und die meisten Touristen fahren die umgekehrte Route von Mandalay nach Bagan.

Die Fahrt über den Irrawaddy River ging morgens um 5:30 Uhr los und wir konnten einen schönen Sonnenaufgang bestaunen. Wir fuhren an Felsen, Graslandschaften, Pagoden und kleinen Dörfchen vorbei und haben einfach das langsame Tuckern über den Fluss genossen und uns nach den anstrengenden letzten Tagen entspannt. Am Ende der Fahrt kurz bevor man Mandalay erreicht fährt man noch an den pagodenbedeckten Hügeln von Sagaing vorbei – ein herrlicher Anblick.

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Was wir in und um Mandalay erlebt haben erfahrt ihr im nächsten Blogbeitrag 😉 .