Traurige Vergangenheit – Tsunami 2004

Von Medan sind wir ganz in den Norden Sumatras in die Hafenstadt Banda Aceh geflogen. Einigen kommt der Name dieser Stadt vielleicht noch bekannt vor, besonders im Zusammenhang mit dem verheerenden Tsunami am zweiten Weihnachtstag 2004. Banda Aceh wurde damals besonders stark getroffen und allein in der Region Aceh forderte die Naturkatastrophe ca. 170.000 Todesopfer. Weite Teile der Stadt wurden zerstört und viele Menschen verloren ihre Lebensgrundlage.
Doch Banda Aceh wurde mit Hilfe vieler staatlicher und privater Spenden aus der ganzen Welt wieder aufgebaut, sodass heute kaum noch etwas von der damaligen Zerstörung sichtbar ist. Es gibt aber einige Erinnerungsstätten, die zeigen wir groß die Ausmaße des Tsunamis waren und die man sich bei einem Besuch der Stadt unbedingt anschauen sollte. Nach dem Tsunami wurden Frühwarnsysteme installiert, tsunamisichere Gebäude errichtet die im Ernstfall Schutz bieten, Rettungswege markiert und Einwohner über das richtige Verhalten im Katastrophenfall informiert, was es damals tragischerweise alles noch nicht gab.

Um möglichst viel von Banda Aceh zu sehen haben wir den Tag mit einem privaten Fahrer verbracht, der uns die wichtigsten Orte gezeigt hat. Zunächst sind wir zum riesigen Generatorschiff „PLTD Apung 1“ gefahren, das vom Tsunami ca. 3km ins Landesinnere gespült wurde. Das Schiff liegt inmitten eines Wohngebiets und wirkt auf Land extrem deplatziert. Es lässt erahnen welch ungeheure Kraft der Tsunami gehabt haben muss, der dieses große 2.600 Tonnen schwere Schiff einfach mehrere Kilometer ins Land gespült hat.
 Man kann das Schiff betreten und im Innern befindet sich ein kleines Museum mit Fotos, Videos und Informationen zur damaligen Katastrophe. Leider waren alle Texte auf Indonesisch, sodass wir nur das Bildmaterial anschauen konnten. In Banda Aceh haben wir kaum andere westliche Touristen getroffen und unser Fahrer meinte, dass nicht viele Touristen die Stadt besuchen, was wahrscheinlich der Grund ist warum es keine englischen Übersetzungen gab. Um das Schiff herum wurden einige Häuserruinen stehen gelassen, die einem die Zerstörungskraft des Tsunamis vor Augen führen.
Anschließend ging es zum „Boat on the Roof“, einem Fischerboot, das von der Tsunamiwelle auf ein Haus im Landesinnern geschwemmt wurde und dort hängen blieb. Es ist ein seltsamer Anblick: Das Dach des Hauses fehlt, die Mauern gleichen nur noch Ruinen, während Küche, Bad, etc. noch relativ intakt sind und einige Meter über dem Boden liegt auf den Mauern dieses halbzerstörten Hauses ein großes buntes Fischerboot und bildet eine Höhe mit den Dächern der umliegenden Häuser. Man kann sich nicht ausmalen, was sich hier am 26. Dezember 2004 in den frühen Morgenstunden angespielt haben muss. Aber die Geschichte hinter dem Boot ist ausnahmsweise eine Gute. Viele Menschen aus den umliegenden Häusern flüchteten während der Katastrophe auf das gestrandete Boot und waren so in Sicherheit. Das bunte Fischerboot rettete somit ca. 59 Menschen das Leben.
In Banda Aceh wurde zudem ein großes Tsunamimuseum gebaut. Beim Betreten des Museums geht man zunächst einen schmalen dunklen Gang entlang, an dessen 22m hohen Wänden (das ist die Höhe, die die Flutwelle damals in Banda Aceh hatte) links und rechts Wasser herunterfließt, während im Hintergrund dumpfe Entsetzensschreie von Menschen zu hören sind. Ein beklemmendes Gefühl und Betroffenheit macht sich bei uns breit. In den Ausstellungsräumen des Museums gibt es viel Infomaterial über die Katastrophe in allen möglichen Darbietungsformen, diesmal auch in Englisch. Was wir jedoch etwas befremdlich fanden ist das Verhalten der Indonesier im Museum. Überall werden fröhliche Fotos von der Familie oder Selfies geknipst als stünde man in Paris vorm Eiffelturm.

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Das bunte Banda Aceh nach dem Tsunami

Unter dem Schatten der Vergangenheit versteckt sich heute in Banda Aceh aber eine bunte, pulsierende Stadt mit lebensfrohen, aufgeschlossenen Bewohnern. Neben den Stätten die vom Tsunami zeugen hatten wir auch die Chance das wiederaufgebaute, zu neuem Leben erweckte Banda Aceh näher zu entdecken.
An diesem Tag wurde islamisches Neujahr gefeiert und ein riesiger „Karnevalsumzug“ (allerdings nicht so wie wir ihn aus Deutschland kennen) zog durch die Stadt, der aus unzähligen Schülergruppen der einzelnen Schulen Banda Acehs bestand. Die Kinder und Jugendlichen trugen traditionelle Gewänder und teilweise wurde gesungen oder durch ein Megafon zu den Zuschauern gesprochen (was genau konnten wir allerdings nicht verstehen, dafür ist unser Indonesisch dann doch zu schlecht 😀 )
Eins unserer Highlights des Tages war der Besuch der großen Moschee Baiturrahman, die den Tsunami relativ unbeschadet überstanden hat. Unser super netter Fahrer sprach mit den Zuständigen und sorgte dafür, dass wir den riesigen Platz vor der Moschee, auf dem reges Treiben herrschte, betreten durften (das Innere der Moschee leider nicht). Dafür mussten wir uns allerdings ein überaus stylisches langes Gewand überziehen, die Schuhe ausziehen und ich musste meine Haare mit einem Tuch bedecken (dementsprechend schweißtreibend war die Angelegenheit in der brüllend heißen Mittagssonne). In Banda Aceh gilt übrigens die Scharia, ein strenger Kodex islamischer Gesetze, der den Frauen z.B. verbietet enge Hosen zu tragen und den Austausch von Intimitäten zwischen Unverheirateten hart bestraft.
Und dann standen wir auch schon auf dem strahlend weiß polierten Marmorboden vor der riesigen Moschee, der in der Mittagssonne unmenschlich geblendet hat. Auf dem Vorplatz war einiges los und überall saßen Familien mit Kindern in kunterbunten traditionellen Gewändern. Kurze Zeit später fanden wir uns umringt von neugierigen Einheimischen, denn wir waren die einzigen Europäer weit und breit (und aufgrund unserer lustigen Outfits, unserer Größe und unserer blassen Haut wahrscheinlich noch spannender). Jeder wollte ein Foto mit uns machen, wir wurden mit ganzen Familien abgelichtet, haben für unzählige Selfies posiert (wenn man einmal anfängt gibts kein Entkommen mehr 😀 )… Unser Fahrer hat uns dabei stolz begleitet und als Fotograf für die Einheimischen fungiert. Einige Indonesier waren etwas forsch und haben uns direkt fest am Arm gepackt und die Kamera gezückt. Besonders süß waren die vielen kleinen Kinder, die großen Spaß hatten vor meiner Kamera herumzuspringen und mir schüchtern die Hand gegeben haben.
Nachdem wir uns von den Fotoanfragen lossagen konnten ging es dann noch zum Rumoh Aceh, einem traditionellen Aceh Haus, bevor wir am Nachmittag die Fähre auf die Trauminsel Pulau Weh genommen haben. Doch davon im nächsten Blogbeitrag mehr…

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