Nach der Flucht aus dem Schimmelzimmer sind wir mit dem Zug Richtung Hatton getuckert. Am Bahnhof haben wir zwei nette Österreicherinnen kennengelernt, mit denen wir uns ein Taxi ins 1.5h entfernte Örtchen Dalhousie, dem Ausgangspunkt zur Besteigung des sagenumwobenen Adam’s Peak (2243 m) geteilt haben. Wir haben uns dann auch direkt zur Wanderung am nächsten Morgen verabredet, denn geteiltes Leid ist ja bekanntlich halbes Leid 😛 .

Unser Hotel (Queensark) war ein Traum: ein riesengroßes neues Zimmer mit Balkon, tollem Essen und einem super netten Gastgeber, der uns jede Menge hilfreiche Tipps gab wie die Wanderung auf den Gipfel zum Erfolg wird (und auch jede Menge lustige Geschichten auf Lager hatte von Besteigungen, die mal nicht ganz so erfolgreich verliefen).

Die eigentliche Pilgersaison am Adam’s Peak ist ca. zwischen Dezember und Mai. Zu dieser Zeit pilgern riesige Menschenscharen die 5200 Stufen zum Gipfel hoch, egal ob alt oder jung. Der Pfad ist dann mit Lichterketten beleuchtet und unzählige Teestände säumen den Wegesrand. Laut einer buddhistischen Legende befindet sich am Gipfel der Fußabdruck Buddhas, Hindus behaupten es sei der von Shiva, Muslime gehen davon aus, dass es der von Adam ist und Christen glauben der Fußabdruck stammt vom Apostel Thomas. Für Buddhisten ist es eine ungeschriebene Pflicht, den Adam’s Peak mindestens einmal im Leben zu besteigen, weshalb sich auch alte Menschen mühsam den Berg hochkämpfen.

Auch wenn die Pilgersaison vorüber ist und man wegen schlechtem Wetter oft keine gute Aussicht hat (laut unserem Gastgeber war die Sicht in den letzten zwei Monaten meist bescheiden), wollten wir uns den Sonnenaufgang vom Gipfel nicht entgehen lassen und unser Glück versuchen. Unser Gastgeber meinte, dass am nächsten Morgen insgesamt vermutlich ca. 40-50 Leute den Adam’s Pak besteigen würden. Gegen 20:30 Uhr ging es dann auch schon ins Bett, denn unser Wecker würde erbarmungslos um 2:00 Uhr klingeln (nein, kein Tippfehler!).

2. September, 2:30 Uhr: Noch etwas verschlafen gehts in Sportklamotten mit Taschenlampen ausgerüstet raus in die Dunkelheit. Es ist zum Glück trocken und die Nacht ist sternenklar, was hoffen lässt dass der Gipfel zum Sonnenaufgang nicht in Nebel und Wolken liegt. Die Österreicherinnen haben am Vorabend noch ein deutsches Pärchen kennengelernt, sodass wir jetzt zu sechst den Aufstieg wagen.

Es geht zunächst durch das kleine Örtchen und anschließend einen Weg mit einigen Treppen entlang. Bis auf die Lichter unserer Taschenlampen und die Sterne über uns (der Sternenhimmel ist der Hammer, da es hier kaum Lichtverschmutzung gibt) ist es stockdunkel und den Gipfel können wir nicht sehen. Das ist vielleicht auch besser so, denn der Weg nach oben ist noch ganz schön weit. Nach einiger Zeit erreichen wir dann den eigentlichen Aufstieg: ab hier nur noch Treppenstufen! Das Treppensteigen wird mit der Zeit immer anstrengender und obwohl es mitten in der Nacht ist, ist die Luft relativ warm. Wir legen regelmäßige Pausen ein, um die Beine zu lockern. Im Lichtkegel der Taschenlampen sieht man wie unsere Körper dampfen 😀 . Irgendwann kommt ein Geländer, ab dem es angeblich nur noch 1500 Stufen sein sollen. Zur Motivation zählen wir hier immer 100 Stufen und machen dann eine kurze Pause, heute ist definitiv Leg Day 😀 . Je weiter wir nach oben kommen, desto kühler und windiger wird es. Langsam lässt sich auch erahnen, wo später die Sonne aufgehen wird.

Gegen 5:30 Uhr erblicken wir nach 1000 Höhenmetern endlich den Gipfel. Es sind schon einige Leute oben und frieren in der Dunkelheit. Wir ziehen erstmal all unsere warmen Sachen an, essen ein paar Kekse und suchen uns dann den besten Spot für den Sonnenaufgang. Es liegt ein Zauber in der Luft, als sich der Nachthimmel langsam rot färbt und irgendwann dir ersten Sonnenstrahlen über die umliegenden Hügel klettern, bevor sich der Feuerball in seiner schönsten Pracht zeigt. Wir haben wahnsinniges Glück mit dem Wetter und freuen uns über die grandiose Aussicht, die die Strapazen des Aufstiegs mehr als entschädigt.

Der Abstieg geht dann deutlich schneller, 5200 Stufen runter tun aber nochmal richtig weh (Muskelkater vorprogrammiert). In der Morgensonne sieht man nun auch die wundervolle Landschaft mit Wasserfällen, die wir morgens im Dunkeln nur rauschen hörten. Die kalte Dusche und das leckere Frühstück, das uns im Hotel erwartet, geben Motivation für die letzten Kilometer. Nach 20.541 Schritten, 14.4 km und 257 Stockwerken ist es geschafft :). Wir sind müde und k.o. aber dafür stolze Gipfelstürmer.

« 1 von 47 »